
Prolog
In der Nacht
"D-Danke für das herrliche Essen, Teuchi! Hicks! Du hast es einfach immer n-noch drauf!", gab ein Betrunkener von sich und hielt sich schwankend an seinem Kumpel fest, der ihn nach Hause begleitete. Sicher ist sicher. Er war jahrelang ein Kunde bei Teuchi gewesen und einer der Ersten, die seine Nudelsuppe offiziell bestellte. Mittlerweile kam sein Stammgast fast jeden Abend zum Essen und übertrieb es gerne ein Mal mit dem Trinken. Teuchi grinste. Er erinnerte sich noch ganz genau an den Gesichtsausdruck seines Freundes, als er zum ersten Mal einen Löffel seiner Nudelsuppe probierte. Teuchi hatte schon Angst gehabt, dass er sich übergab, weil er so ein komisches Gesicht machte, aber stattdessen bildeten sich Tränen in dessen Augen und er begann die Schüssel auszuleeren. Teuchi war so stolz und glücklich gewesen. Das war das schönste wortlose Kompliment, dass er je bekommen hatte. Ihn würde er niemals umbringen. Er war die Ausnahme.
"Du hast hoffentlich mein Bier mitgenommen, oder Teuchi?", der Angesprochene lachte auf und korrigierte und festigte seinen Griff, da der Betrunkene immer schwächer wurde.
"Mein lieber Kyosuke, natürlich habe ich das nicht gemacht.", war die schlichte Antwort Teuchis.
Teuchi brachte seinen Freund nach Hause und vergewisserte sich, dass es ihm gut ging. Seine Frau schüttelte genervt den Kopf beim Anblick ihres betrunkenen Mannes. Die Uhr schlug Mitternacht und Teuchi verabschiedete sich von Kyosuke und seiner Frau. Er musste jetzt gehen. Er hatte noch etwas wichtiges vor.
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Sie wurde gepackt und spürte einen scharfen Gegenstand an ihrer Kehle. Unkontrolliertes Atmen fiel über sie herein. Ihr Entführer drückte ihren Arm fester, sodass sie schon glaubte einen Knochen brechen zu hören. Sie zitterte und keuchte. Er fing an sie zu fesseln, da ihr Gezappel ihm gehörig auf die Nerven ging. Plötzlich strich ihr Entführer das Messer über ihre Kehle und schnitt sie leicht. Das Blut trat sofort aus der frischen Schnittwunde hervor und lief ihr den Hals hinunter.
"N-Nein...Bitte...", brachte sie verängstigt heraus, doch er beachtete ihr Flehen nicht, stattdessen fing er an zu grinsen und wedelte mit seinem Messer vor ihrem Gesicht.
„ICH RUF DIE POLIZEI, DU KRANKES ARSCHLOCH!!“, schrie sie plötzlich heraus. Er hasste es, wenn sie schrien. Das war seiner Meinung nach unhöflich und unangebracht.
Er packte ihr Gesicht grob und holte zwei seiner alten Socken aus seiner schwarzen Jackentasche hervor und stopfte sie ihr in den Mund. Er musste bei diesem Anblick einen Moment schmunzeln. Das wollte er schon immer mal machen. Aus seiner anderen Jackentasche holte er seine Kamera hervor, die ihm seine Tochter letztes Jahr zum Geburtstag geschenkt hatte. Darüber freute er sich immer noch wie ein kleines Kind. Er knipste ein Bild, denn er wollte diesen lächerlichen Moment unbedingt einfangen, damit er es sich immer ansehen und lachen konnte, wenn er mal schlechte Laune haben sollte.
Plötzlich fing sie wieder an sich zu wehren und wie ein Schweinchen zu quieken.
"Sei still!! Ich werde dir schon noch Manieren beibringen!", doch das einzige was er ihr beibrachte war eine hässliche Schnittwunde an ihrem Hals. Mit einem Ruck schlitzte er ihr die Kehle auf und das Blut sprudelte heraus. Er selbst musste kurz würgen, denn an so einem Anblick war er immer noch nicht gewöhnt.
Nach einigen Momenten lag sie reglos da. Er hatte lange nicht mehr getötet und vermisste es ein wenig seine Opfer jammern zu hören. Manchmal brachte er sie auch dazu ihm die Füße zu küssen, ehe er sie mit einem kräftigen Tritt ins Gesicht gegen eine Wand pfefferte. Sie waren Tiere. Unhöfliche, freche Tiere ohne Manieren, die abgeschlachtet gehörten. Und er war derjenige, der diese ehrenvolle Aufgabe mit Freuden übernahm. Einer musste es schließlich tun.
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Blut. Überall war Blut. Er hatte wieder einmal übertrieben, dabei hatte er sich fest vorgenommen nicht durchzudrehen, wenn er es wieder tat. Er konnte sich nicht einmal an seine eigenen Anweisungen halten. Typisch. Er sah sich die Leiche an. Der Körper eines ungefähr 16 jährigen Mädchens lag blutend vor seinen Füßen. Dieses mal entschied er sich ihre Kehle aufzuschlitzen. Er hatte das selbst hunderte Male bei Tieren beobachten können, die abgeschlachtet wurden. Jede Handbewegung hatte er sich genauesten angesehen und gemerkt. Hin und wieder übte er selbst an Tieren, die er von Bauern kaufte und im Wald abschlachtete. An das Blut konnte er sich jedoch nie gewöhnen. Er musste ständig seinen Würgereiz unterdrücken. Die Leiche hörte nicht auf zu bluten. Er sah sie sich lange an und spürte schon, wie ihm sein Mittagessen von heute fast hochkam. Länger würde er es nicht unterdrücken können. Der metallische Gestank der roten Flüssigkeit drang ihm in die Nase. Er hielt die Luft an. Diesen Geruch konnte er einfach nicht ertragen. Die mehrstündigen Aufenthalte in der Metzgerei seines alten Freundes hatten es nicht geschafft ihn dagegen abzuhärten. Mehrere Male schlich er sich sogar in die Toilette und würgte alles heraus, was in seinem Magen war. Diese Schwäche hasste er so sehr an sich, dass er sich am liebsten selbst die Kehle aufschlitzen würde.
Wann würde er sich endlich an Blut gewöhnen? Das fragte er sich ständig.
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Am nächsten Tag
Daiki saß gerade auf einer Parkbank unter einem prächtigen Apfelbaum. Die Blüten leuchteten beinahe in der Sonne und es wehte, zu seiner Erleichterung, ein kühler Wind. Er hielt sich schützend die Hand vor seinen Augen und hielt Ausschau nach seinen Freunden. Sie verspäteten sich alle und das konnte er nicht leiden. Eigentlich wollten sie sich in ihrem Lieblingsnudelrestaurant treffen, doch, weil es dort drinnen viel zu heiß war, entschieden sie sich spazieren zu gehen und Eis zu essen. Da Daiki immer viel zu lange brauchte um sich eine Sorte auszusuchen und die Vorschläge seiner überaus genervten Freunde stets ignorierte, ließen sie diesen einfach auf der Parkbank sitzen und besorgten ohne ihn Eis. Er sollte dann die Sorte bekommen, die sie ihm aussuchten.
Nach 15 min. fing er an sich Sorgen zu machen und malte sich die schlimmsten Szenarien aus, die natürlich alle völlig übertrieben waren. Er hoffte inständig, dass ihnen nichts passiert war und sie noch am Leben waren. Er schob leider gerne oft Panik, wenn er eine Zeit lang alleine gelassen wird und natürlich war die Wahrscheinlichkeit sehr gering, dass sie alle entführt wurden, aber ein Restrisiko blieb immer übrig. Plötzlich vibrierte sein Handy in seiner Hosentasche und er holte es heraus. Eine Nachricht erschien auf dem Display und informierte ihn, dass seine Freunde ihn vor dem Nudelrestaurant treffen würden. „Ich dachte, wir gehen nicht in den Laden?“, dachte sich Daiki und steckte sein Handy wieder ein. Er stand auf, streckte sich genüsslich und machte sich schließlich auf dem Weg.